Zingiber officinale

  • Einleitung
    Ingwer ist eines der beliebtesten Gewürze. In der ganzen Welt nutzen Menschen die Ingwer-pflanze für kulinarische und medizinische Zwecke, in der Getränkeindustrie und für Parfums. Ingwer stammt ursprünglich aus Südostasien, aber heute wird die Pflanze durch simples Aus-pflanzen des Sprosses in allen tropischen Gebieten kultiviert. Zingiber officinale ist der botani-sche Name für Ingwer, der im 18. Jahrhundert von Linnaeus geprägt wurde. Ingwer wächst gut in heißem Klima, sofern ausreichend Schatten und Feuchtigkeit vorhanden sind, in gut vorbereitetem lehmigem Boden. Viele glauben, Ingwer sei eine Wurzel. Dies ist jedoch nicht ganz korrekt, weil Ingwer einen Erdspross (Rhizom) besitzt, mit dem sich die Pflanze leicht ver-mehren kann und der ihr das Überleben sichert. Der gelblich-weiße Spross besitzt im Innern manchmal – aber selten – einen dünnen blassblauen Ring. Dieser Ring ist ein Hinweis auf das Vorhandensein eines sehr wirkungsvollen proteolytischen Enzyms, des Zingibains. Jeder, der sich ein Stück Spross in einem Naturkostladen kauft, zum Beispiel, um damit Tee zu kochen, und es zerschneidet, kann diesen Ring manchmal sehen. Die Pflanze hat lange, spitz zulau-fende Blätter und charakteristische, in Blütenständen wachsende dunkellila Blüten. Es gibt zahlreiche Sorten von Ingwer. Allein in Indien wachsen über 50 verschiedene Sorten! Jede Sorte hat einen besonderen Duft und ein besonderes Aroma, die von der Bodenbeschaffen-heit, den Wachstumsbedingungen und dem Klima abhängen. Die schärfsten Sorten wachsen in Afrika. Diese werden oft für therapeutische Zwecke verwendet. Die mildesten Sorten wach-sen in China und eignen sich mehr zum Kochen. Es heißt, der beste Ingwer käme aus Jamai-ka. In Westindien wird Ingwer im großen Maßstab angebaut.


    Traditionelle Medizin
    Viele halten den Ingwer für ein typisch fernöstliches Gewürz, aber schon die alten Griechen kannten ihn als Arznei und im Jahre 43 vor Christus führten die Römer ihn beim Einmarsch nach England als Feldarznei mit. Die Spanier nahmen die Pflanze mit nach Amerika. Die Ver-wendung von frischem Ingwer ist seit vielen Jahrhunderten bekannt. Ingwersprossen können zum Beispiel für die Zubereitung von Ingwertee verwendet werden oder für einen lindernden Umschlag bei Schnupfen oder Muskelschmerzen. Außerdem können aus frischem Ingwer kandierter Ingwer, Ingwerpulver und Ingwerextrakt hergestellt werden. Jede Form des Ingwers hat ihre eigenen Vorzüge und Vorteile. Und jede Form von Ingwer hat medizinische Eigen-schaften, selbst Ingwerkonfitüre!
    Aufgrund seiner Schärfe wurde der Ingwer schon in früher Zeit von Ärzten zum Wärmen des Magens und zum Lindern von Erkältungen verwendet. Der flämische Naturforscher Jan Baptist van Helmont (1579-1644) beschrieb Ingwer als „acrio-aromatisch“ und vermutete, dass er die wärmeempfindlichen Sinneszellen des Magens stimuliere und so dem Magen ein Gefühl der Wärme vermittle. In Jahr 1597 schrieb der englische Botaniker John Gerard das Folgende über Ingwer: „Er wärmt, regt die Verdauung an und ist wohltuend für den Magen.“ Im 18. Jahrhundert fügten ihn die Apotheker zu allen möglichen Heilmitteln hinzu, um die Wirkung dieser Heilmittel zu verbessern (zu Recht, denn Ingwer fördert die Aufnahme von Wirkstoffen in den Organismus) und um Magenreizungen zu lindern (auch dies ist korrekt, da Ingwer die Magenschleimhaut schützt). 
    Außerdem wurde Ingwer zur Anregung der Verdauung bei Koliken, Blähungen und Darm-trägheit verabreicht. Diese traditionellen medizinischen Anwendungen wurden von der mo-dernen Forschung wissenschaftlich bestätigt. Es wurde festgestellt, dass Ingwer tatsächlich carminative und spasmolytische Eigenschaften besitzt. Die Chinesen verwenden frische Ing-wersprosse – sheng jiang – als schweißtreibendes und schleimlösendes Mittel bei Erkältungen. Sie rösten die Sprosse in heißer Asche und verwenden dies gegen Durchfall und zur Stillen von Blutungen. Getrocknete Sprosse – gan jiang – verwenden sie zum Wärmen von Magen und Lunge und als Mittel zur Wiederherstellung eines verringerten oder geschwächten „yang“. 
    Im Westen hat frischer Ingwer in den letzten Jahren eine hohe Popularität als Vorbeugungs-mittel gegen die Reisekrankheit erlangt.

  • Wirkstoffe:
    Essentielle Öle (0,25 - 3,3 %) mit Monoterpenen wie zum Beispiel Geranial (Citral A), Neral (Cit-ral B) und Sesquiterpenen (30 - 70 %). Scharf schmeckende Bestandteile (4 - 7,5 %) mit Phe-nylalkylketonen wie zum Beispiel 6-Gingerol und 6-Shogaol, Zingibain und Zingeron.
     

    In der Vielzahl der pharmakologischen Eigenschaften spiegeln sich direkt die Komplexität und die wechselseitigen Interaktionen der aktiven Bestandteile wider. Bei so gut wie keiner ande-ren Pflanze wurden so viele verschiedene Wirkstoffe analysiert und identifiziert und so viele pharmakologische Eigenschaften so detailliert untersucht wie beim Ingwer (Zingiber officina-le). 
     

    Betrachtet man die traditionellen Anwendungen von Ingwer in früheren Zeiten, wird deutlich, dass Ingwer hauptsächlich als verdauungsförderndes Mittel eingesetzt wurde. Moderne klini-sche Studien haben die Wirksamkeit von Ingwer in diesem Bereich bestätigt. Tierversuche und/oder Untersuchungen am Menschen haben unter anderem gezeigt, dass standardisierte Extrakte des Ingwersprosses die Magen-Darm-Schleimhaut schützen, die Aufnahme von Vi-taminen und Mineralien steigern (um bis zu 200 %), vorbeugend gegen Reise- und Seekrank-heit wirken (Übelkeit und Erbrechen verhindern), die Gallenabsonderung stimulieren und die Leberzellen vor giftigen Chemikalien schützen.

     
    Außerdem besitzt Ingwer zahlreiche weitere Eigenschaften, die alle äußerst interessant und untersuchenswert sind. Wenn alle pharmakologischen Eigenschaften des Ingwers in Katego-rien zusammengefasst würden, dann würde sich zeigen, dass die Wirkstoffe des standardisier-ten Extrakts des Ingwersprosses eine direkte Wirkung auf alle Verdauungsorgane, die Biosyn-these von Prostaglandin und die Herz- und Blutgefäße ausüben.

      
    Besonders beeindruckende pharmakologische Eigenschaften:

    • gesteigerte Absorption zum unter anderem Vitaminen und Mineralien (bis zu 200 %) 
    • erhöhte biologische Verfügbarkeit von Wirkstoffen 
    • Schutz der Magen-Darm-Schleimhaut
    • Stärkung des Immunsystems
    • Wirkung gegen Magengeschwüre
    • Vorbeugung gegen Reisekrankheit
    • Vorbeugung gegen Seekrankheit 
    • Vorbeugung gegen postoperative Übelkeit
    • Carminativum, Spasmolytikum 
    • Choleretikum, Cholagogum 
    • Schutzwirkung für Leberzellen, antihepatotoxisch 
    • antibakterielle, antivirale und fungizide Eigenschaften
    • Wirkung gegen Parasiten 
    • Hemmung der Prostaglandinbiosynthese
    • Wiederherstellung des Eicosanoidgleichgewichts: Hemmung der 5-Lipoxygenase und Cyclooxigenase 
    • Stärkung des Immunsystems durch Verbesserung des Eicosanoidgleichgewichts
    • antiallergische Wirkung durch Stärkung des Immunsystems 
    • entzündungshemmende Wirkung 
    • analgetische Wirkung 
    • antirheumatische Wirkung 
    • kardiovaskulärer Schutz
    • cholesterolsenkende Wirkung 
    • Hemmung der Aggregation von Blutplättchen (dosisabhängig), PAF-Antagonist 
    • Antioxidans
      

    Wirkprinzip
    Im Jahr 1879 isolierten und identifizierten Pharmakologen die ersten Wirkstoffe des Ingwers. Es handelte sich dabei um die Phenylalkylketone 6-Gingerol und 6-Shogaol. Das Gingerol des frischen Ingwers wandelt sich in Shogaol um, wenn der Spross getrocknet und erhitzt wird. Durch diese Umwandlung oder Umbildung von Wirkstoffen erschließt sich eine überraschende Erweiterung der therapeutischen Möglichkeiten. Gingerol stimuliert die Leberfunktion und Shogaol übt eine vorwiegend analgetische und entzündungshemmende Wirkung aus. Die Wirkung von Ingwerpulver ist 10-mal stärker als die von frischem Ingwer und es enthält mehr biologisch wirksame Inhaltsstoffe und mehr Nährstoffe als frischer Ingwer. Ingwerextrakte wer-den mithilfe von Wasser und Alkohol hergestellt, wobei eine Kombination aus Ingwerpulver und frischem Ingwersaft verwendet wird. Diese Kombination aus Pulver und Saft führt zu einer erhöhten Konzentration von Wirkstoffen. Außerdem tritt ein synergistischer Effekt auf (gegen-seitige Verstärkung). Der Ingwerextrakt ist 30-mal stärker als frischer Ingwer und 3-mal stärker als Ingwerpulver. Standardisierte Ingwerextrakte enthalten eine garantierte Menge von Wirk-stoffen, mindestens 5 % Phenylalkylketone mit Gingerol, Shogaol und Zingeron. Der Spross enthält außerdem Zingibain, ein proteolytisches und proteinaufschließendes Enzym, das mit Papaya und Bromelain vergleichbar ist. Obwohl der Spross nur 2 % Zingibain enthält, ist Zin-gibain die stärkste natürlich vorkommende Quelle von proteolytischen oder proteinaufschlie-ßenden Enzymen. Zingibain sogar 180-mal wirksamer als Papaya! Diese enzymatische Wirkung bedeutet, dass Ingwersprossenextrakte besonders wertvoll zur Unterstützung und Verbesse-rung der Verdauung sind. Außerdem hat Zingibain eine entzündungshemmende und ab-wehrsteigernde Wirkung.

     
    Forschung
    Ursprünglich war vom Ingwer vorwiegend nur seine allgemein verdauungsfördernde Wirkung bekannt. Später wurde die schützende und stärkende Wirkung des Ingwers auf den Magen entdeckt. Gut fundierte Untersuchungen haben gezeigt, dass Ingwerextrakt bemerkenswert effektiv und zuverlässig gegen Reisekrankheit wirkt. Durch Einnahme einer 500-mg-Kapsel Ingwersprossenextrakt mindestens 3 Stunden vor Reiseantritt (Auto, Schiff oder Flugzeug) mit Fruchtsaft oder Wasser (eine halbe Stunde vor einer Mahlzeit), können Übelkeit und Erbre-chen verhindert werden. Ingwersprossenextrakte helfen außerdem gegen Übelkeit bei Che-motherapie oder nach Operationen. Tierversuche haben gezeigt, dass besonders Shogaol und Gingerol starke antiemetische Eigenschaften besitzen. Bei Studien am Menschen hat sich gezeigt, dass neben der Wirksamkeit von Ingwersprossenextrakt gegen Reisekrankheit auch Schwangerschaftsübelkeit und postoperative Übelkeit nach gynäkologischen Eingriffen deut-lich zurückgingen. In ihrer Monographie zu Ingwer nennt die ESCOP als Indikation die Vorbeu-gung gegen Reisekrankheit (Übelkeit and Erbrechen) und postoperative antiemetische Vor-beugung bei kleineren chirurgischen Eingriffen (ambulanten Behandlungen).

     
    Weiterführende Forschung
    Weitere Studien haben sich vor allem auf die entzündungshemmenden und analgetischen Wirkungen von Ingwersprossenextrakt konzentriert. Die Wissenschaftler haben untersucht, ob Ingwersprossenextrakt eine schmerzlindernde Wirkung bei rheumatoider Arthritis ausübt. Bei dieser Erkrankung verschreiben Ärzte normalerweise Medikamente wie Aspirin, Diclofenac oder Ibuprofen (nichtsteroidale Antiphlogistika). Diese Medikamente bewirken tatsächlich eine kurzzeitige Linderung. Allerdings verursachen sie leider oft auch Nebenwirkungen wie  beispielsweise Reizungen der Magen-Darm-Schleimhaut, die zu Entzündungen oder Ge-schwürbildungen führen können, was zusätzliche Medikamente erforderlich macht. Dies führt zu einem Dominoeffekt: Um die Nebenwirkungen von Medikamenten oder ihre gegenseiti-gen Wechselwirkungen zu kompensieren, sind weitere Medikamente erforderlich. Dieser Do-minoeffekt tritt auf, weil nichtsteroidale Antiphlogistika alle Prostaglandine neutralisieren, da-runter auch PGI-2, das die Schleimhaut schützt.

    • Ingwersprossenextrakte reduzieren entzündungsstimulierende Eicosanoide wie PGE-2, TXA-2 und LBT-4, halten die Dominanz von PGI-2 jedoch aufrecht und schützen daher die Schleimhaut. Studien haben gezeigt, dass Ingwersprossenextrakte mindestens 2 Eicosanoidsysteme hemmen (5-Lipoxygenase und Cyclooxigenase) und das Eicosanoidgleichgewicht wiederherstellen.
    • Dänische Studien haben gezeigt, dass Patienten mit rheumatoider Arthritis nach nur 3 Monaten Einnahme einer täglichen Dosis von 2 bis 4 Kapseln mit 500 mg standardisier-tem Ingwerextrakt einen Rückgang der Schmerzen, Schwellungen und Steifigkeit fest-stellten. Nach 2,5 Jahren Verwendung des Extrakts hatte sich die Wirksamkeit nicht verringert und die Teilnehmer berichteten keinerlei Nebenwirkungen.
    • Andere Forscher haben erkannt, dass Ingwersprossenextrakt eine hemmende Wirkung auf die Aggregation von Blutplättchen ausübt, das Herz kräftigt und den Kreislauf an-regt. Durch Zufall entdeckte ein Forscher, der selbst nicht auf herkömmliche Medika-mente gegen die Verklumpung von Blutplättchen ansprach, dass bereits der Verzehr von gewöhnlicher Ingwerkonfitüre (!) eine Besserung bewirkte. Weiterführende For-schungen zeigten, dass schon nach einer Woche der täglichen Einnahme von vier 500-mg-Kapseln standardisierten Ingwerextrakts ein merklicher Rückgang der Aggre-gation von Blutplättchen stattgefunden hatte. In einer Vergleichsstudie mit Knoblauch erwies sich der Ingwerextrakt als deutlich überlegen. Bei der Verwendung eines hyd-rophilen Ingwersprossenextrakts fiel den Wissenschaftlern auf, dass die Stärke der Hemmung der Aggregation der Blutplättchen von der verabreichten Dosis abhängt. Das ist an sich nicht verwunderlich, da Ingwer sehr schnell aufgenommen wird, aber genauso schnell wieder abgebaut wird und daher eine kurze Halbwertszeit hat. Hyd-rophile Extrakte werden schneller aufgenommen, haben aber eine kürzere Wirkungs-dauer und daher ist eine höhere Dosis erforderlich.
    • Zahlreiche Studien haben gezeigt, dass Ingwersprossenextrakte eine cholesterolsen-kende Wirkung ausüben, vorausgesetzt, dass der Patient sie über einen längeren Zeit-raum täglich einnimmt.
    • Zusätzlich zur verdauungsfördernden Wirkung und der schützenden Wirkung auf den Magen verbessern Ingwersprossenextrakte die Nahrungsaufnahme im Körper um 200 %. Spezifisch bedeutet dies, dass die biologische Verfügbarkeit von Vitaminen und Mineralien zunimmt. Hier wirkt Ingwer sozusagen als „Träger“.
      Er optimiert die Aufnahme wertvoller und essentieller Nährstoffe. Diese Trägereigen-schaft kann während einer Krankheit oder in der Rekonvaleszenz, nach Operationen, bei älteren Patienten mit Verdauungsbeschwerden und bei Patienten mit ge-schwächtem Immunsystem sehr wichtig und wertvoll sein.
      

    Eigenschaften
    Ingwerextrakt hat so viele Anwendungen, dass es nützlich sein kann, hier einen Überblick über seine wichtigsten pharmakologischen Eigenschaften zu geben:

    • analgetisch 
    • entzündungshemmend
    • schleimhautberuhigend 
    • schleimhautschützend 
    • schleimhautregenerierend 
    • Schutz vor Magengeschwüren
    • antiviral
    • antibiotisch 
    • antioxidativ
    • Anregung des Immunsystems
    • Förderung der Aufnahme von Vitaminen und Mineralien im Körper um bis zu 200 %
    • Schutz der Leber (Toxine)
    • cholagogisch
    • choleretisch
    • Anregung der Verdauung
    • Stimulation der Proteolyse und Proteinverdauung
    • Wirksamkeit gegen Übelkeit und Brechreiz
    • Vorbeugende Wirkung gegen Reisekrankheit und Übelkeit nach Operationen oder Chemotherapie
    • herzstärkend
    • blutdruckregulierend
    • kreislaufanregend
    • cholesterolsenkend
    • Hemmung der Aggregation von Blutplättchen
    • fiebersenkend
    • Schweißabsonderung anregend
    • schleimlösend
    • Wirksamkeit gegen Würmer
    • probiotisch
  • Zahlreiche maßgebliche Monographien (WHO, ESCOP, Kommission E) beschreiben unter an-derem die folgenden Indikationen:
    • dyspeptische Symptome 
    • verringerter Appetit 
    • Magenbeschwerden
    • Übelkeit 
    • Erbrechen 
    • gastrointestinale Krämpfe
    • Blähungen
    • Koliken
    • Diarrhöe 
    • Vorbeugung gegen Reisekrankheit 
    • Vorbeugung gegen Seekrankheit 
    • Vorbeugung gegen postoperative Übelkeit 
    • Nebenwirkungen von Narkose 
    • rheumatische Erkrankungen 
    • Muskelbeschwerden 
    • Migräne
  • Die Anwendung von Ingwersprossenextrakten ist während der Schwangerschaft und in der Stillzeit kontraindiziert. Der Extrakt ist nicht zur Anwendung bei Kindern unter 6 Jahren geeig-net. Bei Patienten, die unter Gallensteinen leiden, sollte vor der Einnahme von Ingwerspros-senextrakten ärztlicher Rat eingeholt werden. 
    Standardisierte Ingwerprodukte werden aus dem Ingwerspross zubereitet und enthalten einen Anteil von mindestens 5 % Phenylalkylketonen. Die durchschnittliche Tagesdosis beträgt zwi-schen 500 und 2000 mg Ingwerextrakt. Exzessive Verdauung des Extrakts kann die Anwen-dung von Kardiotonika, Antikoagulantien und Insulin beeinträchtigen. 
    Da die Literatur sowohl unterstützende Eigenschaften bei Uteruskontraktionen, als auch po-tenziell abortive Wirkungen von Ingwer beschreibt, wird von der Anwendung von Extrakten während der Schwangerschaft und in der Stillzeit abgeraten, obwohl positive Forschungser-gebnisse zur Linderung schwangerschaftsbedingter Übelkeit mit Ingwer vorliegen. Die Sicher-heit des Ingwers wurde nicht nachgewiesen, aber genauso wenig wurden potenzielle Schä-den oder schädliche Wirkungen nachgewiesen.
  • Die Verdauung von sehr hohen Dosen von Ingwersprossenextrakt auf leeren Magen kann leichte Magenbeschwerden hervorrufen. Diese Nebenwirkung kann vermieden werden, in-dem die Kapseln mit einem Glas Wasser oder Fruchtsaft während einer Mahlzeit eingenom-men werden. 

     
    Allergische Reaktionen können bei örtlicher Anwendung von frischem Ingwer oder Ingwer-pulver bei entsprechend empfindlichen Personen auftreten.

  • Wechselwirkungen mit konventionellen Medikamenten oder Naturheilmitteln sind möglich. Ingwerextrakte können die Aufnahme anderer Substanzen und die Koagulation beeinflussen. Patienten, die Antikoagulantien einnehmen, oder Patienten mit einer hämorrhagischen Dia-these sollten vor der Einnahme von Ingwersprossenextrakten ihren behandelnden Arzt zu Rate ziehen.
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