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Freitag 30 August 2019

Welcher Knoblauch wirkt besser bei Diabeteskomplikationen?

Wissenschaftler der Universitäten von Liverpool und Manchester (GB) haben das Potenzial des schwarzen Knoblauchs zur möglichst effizienten Beherrschung von Diabeteskomplikationen im Vergleich zu frischem Knoblauch untersucht. Schwarzer Knoblauch ist auch als fermentierter Knoblauch oder „aged garlic“ bekannt. Die Ergebnisse sind überraschend.
 

Crosslinks und Komplikationen

Chronische Hyperglykämie und Typ-2-Diabetes führen beim Klienten zu langfristigen Komplikationen, beispielsweise an Augen, Nerven, Blutgefäßen, Nieren und Haut. Dies hat eine erhöhte Krankheitsbelastung und ein erhöhtes Risiko für einen vorzeitigen Tod zur Folge. Um zu wissen, wie Knoblauch (Allium sativum) hier eingreifen kann, müssen wir zunächst wissen, wie diese Komplikationen zustande kommen.

 

Hyperglykämie – erhöhter Zuckergehalt im Blut – steigert die Glykation körpereigener Eiweiße, wodurch sich über verschiedene Zwischenschritte Vernetzungen („Crosslinks“) zwischen diesen Proteinen bilden. Solche Crosslinks werden auch Advanced Glycation Endproducts (AGE) bezeichnet.

 

AGE behindern die Proteinfunktion und tragen damit zur Entwicklung von diabetischen Komplikationen bei. Diese Komplikationen werden durch die Wirkung der freien Radikale, die bei diesem Prozess freigesetzt werden, zusätzlich verstärkt. Das hört sich ziemlich schlimm an. Kann die naturheilkundliche Praxis hier überhaupt etwas ausrichten?

 

Medikamente und Naturprodukte

Zurzeit konzentriert sich die Wissenschaft auf die Entwicklung von Medikamenten, die die Crosslinks zwischen den Proteinen aufspalten oder sonst auf irgendeine Weise Abhilfe schaffen können. Den Autoren der vorliegenden Studie zufolge wurde bisher jedoch noch keines dieser Medikamente für klinische Studien zugelassen. Gleichzeitig weisen sie darauf hin, dass sich kaum jemand mit natürlichen Produkten beschäftigt, die ebenfalls helfen können. Und dass dies eine Schande ist, finden auch die Autoren.

 

 „Unsere Studie zeigt, dass Nährstoffe mit antioxidativen und antiglykativen Eigenschaften als sicheres Adjuvans zusätzlich zu bestehenden Behandlungsformen eingesetzt werden können, um Komplikationen bei Diabetes vorzubeugen.“

 

Schwarzer oder frischer Knoblauch?

Das Interesse der Wissenschaftler galt dabei in erster Linie dem Knoblauch. Es ist nämlich schon seit Längerem bekannt, dass Knoblauch sowohl antioxidative als auch antiglykative Eigenschaften besitzt. In ihrer Studie wollten sie daher feststellen, ob dabei signifikante Unterschiede zwischen frischem Knoblauch und schwarzem Knoblauch auftreten. Dies war in der Tat der Fall.

 

Schwarzer Knoblauch wirksamer gegen AGE

Es zeigte sich, dass schwarzer Knoblauch stärker gegen die Bildung von AGE wirkt als frischer. Bei einer Konzentration von 15 mg/ml hemmt frischer Knoblauch die AGE-Bildung um 33,5 %, während schwarzer Knoblauch bei einer ähnlichen Konzentration die AGE-Bildung um bis zu 56,4 % inhibiert. Bei niedrigeren Konzentrationen war dieser Unterschied weniger deutlich.

 

Schwarzer Knoblauch ist das stärkere Antioxidans

Wie gesagt, spielen freie Radikale eine Rolle bei der Verschlimmerung von Komplikationen bei Diabetes. Auch die antioxidative Wirkung des schwarzen Knoblauchs erwies sich als stärker als die des frischen. Schwarzer Knoblauch besitzt in etwa die antioxidative Kraft von Vitamin C. Frischer Knoblauch liegt etwas darunter.

 

Frischer Knoblauch bringt bessere Chelatierung

Bei der Chelatierung kann schwarzer Knoblauch nicht mit frischem konkurrieren! Hier bleibt frischer Knoblauch in der Tat Sieger gegenüber seinem schwarzen Kontrahenten. Chelatierung ist ein Vorgang, durch den Metalle im Körper gebunden werden, sodass sie ausgeschieden werden können. Vor allem, wenn man viel Fisch und Meeresfrüchte isst, kann frischer Knoblauch daher keinesfalls schaden.

 

Schwarzer Knoblauch ist reicher an Flavonoiden

Schließlich enthält schwarzer Knoblauch eine deutlich höhere Konzentration an Phenolen, Flavonoiden und Flavonolen. Diese sekundären Pflanzenstoffe werden auch als Phytonutrienten bezeichnet. Phytonutrienten sind vielfältige bioaktive Substanzen aus der Pflanzenwelt, bei denen ständig neue, wertvolle physiologische Funktionen erkannt werden.

 

Die Kraft liegt in der Fermentierung

Schwarzer Knoblauch wird hergestellt, indem man frischen, weißen Knoblauch bei einer spezifischen Temperatur und Feuchtigkeit bis zu 20 Monate fermentieren lässt. Er verdankt seinen Namen der dunklen Färbung, die er während dieser Zeit annimmt. Während des Fermentationsprozesses entstehen besondere wasserlösliche Schwefelverbindungen wie S-Allylcystein (SAC) und S-Allylmercaptocystein (SMAC), die eine signifikant höhere orale Bioverfügbarkeit besitzen als die Verbindungen, die in gewöhnlichem Knoblauch enthalten sind.

 

Obwohl beide Arten von Knoblauch günstige Gesundheitseffekte zeigen, gewinnt der schwarze Knoblauch aufgrund einiger wesentlicher Vorteile zunehmend an Popularität. Wo weißer Knoblauch unter Umständen nach geringfügige Magen-Darm-Nebenwirkungen verursachen kann, treten diese bei der fermentierten Form so gut wie überhaupt nicht auf und unerwünschte Nebenerscheinungen wie scharfer Geschmack und starker Geruch gehen während des Reifeprozesses praktisch vollständig verloren. Darüber hinaus wurden bisher keinerlei unerwünschten Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten beobachtet und er ist auch in höheren Dosierungen vollkommen atoxisch.

 

Literatur

Elosta, A. et al. Aged garlic has more potent antiglycation and antioxidant properties compared to fresh garlic extract in vitro, Sci. Rep. 7, 39613 (2017)