neue Nachrichten

Montag 8 Juli 2019

Glucosamin möglicherweise auch für Herz und Blutgefäße vorteilhaft

Glucosamin wird häufig bei Arthrose und Gelenkschmerzen verwendet. Möglicherweise kann es aber auch bei der Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen von Nutzen sein, wie eine groß angelegte Analyse von Daten aus der UK Biobank Study zeigt. Wahrscheinlich, weil es die CRP-Werte senkt.

 

Glucosamin ist ein beliebtes Supplement, das häufig zur Linderung der Beschwerden bei Arthrose und Gelenkschmerzen eingesetzt wird. Neue Forschungsergebnisse zeigen, dass Glucosamin auch bei der Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen eine Rolle spielen kann.


In der vorliegenden Studie der University of New Orleans wurden Daten der der UK Biobank Study analysiert. Diese umfangreiche Datensammlung enthält Informationen über mehr als eine halbe Million Briten (Männer und Frauen). Die Analyse zeigt, dass eine regelmäßige Supplementierung von Glucosamin möglicherweise mit einem geringeren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzerkrankungen und Schlaganfall assoziiert ist. Die Ergebnisse wurden im British Medical Journal veröffentlicht. [1] Die Forscher halten weitere klinische Studien für erforderlich, um dieses Ergebnis genau zu überprüfen.

 

Risiko 15 % niedriger

Um herauszufinden, ob Zusammenhänge zwischen der Einnahme von Glucosamin und Herz-Kreislauf-Erkrankungen bestehen, analysierten die Forscher die Daten von 466.039 Teilnehmern, die nicht unter Herz-Kreislauf-Erkrankungen litten und zu Beginn der Studie einen Fragebogen zur Supplementierung einschließlich Glucosamin ausgefüllt hatten. Im weiteren Verlauf wurden Totenscheine und Krankenhausakten verwendet, um Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie koronare Herzkrankheiten und Schlaganfälle über einen Zeitraum von sieben Jahren zu verfolgen.


Jeder Fünfte (19,3 %) der Teilnehmer hatte zu Beginn der Studie die Verwendung von Glucosamin angegeben. Wie die Forscher nun feststellen konnten, war Glucosamin mit einem um 15 % geringeren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen assoziiert und die Anwender waren zudem einem um 9 % bis 22 % geringeren Risiko für koronare Herzkrankheiten, Schlaganfall und Tod ausgesetzt als diejenigen, die dieses Supplement nicht verwendet hatten.

 

Glucosamin für Raucher noch vorteilhafter

Diese günstigen Assoziationen blieben auch unter Berücksichtigung traditioneller Risikofaktoren wie Alter, Geschlecht, Gewicht (BMI), ethnische Zugehörigkeit, Lebensstil, Ernährung, sowie Einnahme von Arzneimitteln und anderen Supplementen bestehen. Der Zusammenhang zwischen Glucosaminaufnahme und koronaren Herzerkrankungen war übrigens bei Rauchern stärker ausgeprägt (37 % geringeres Risiko) als bei Teilnehmern, die nie geraucht hatten (12 %) und Teilnehmern, die vor längerer Zeit mit dem Rauchen aufgehört hatten (18 %).


Dieses Ergebnis ließe sich dadurch erklären, dass eine regelmäßige Einnahme von Glucosamin mit einer Verringerung von C-reaktivem Protein (CRP) assoziiert sei, einer Substanz, die im Zusammenhang mit Entzündungen stehe, erklären die Forscher. Raucher leiden verstärkt unter Entzündungen, die durch Glucosamin verringert werden.


Schließlich verweisen die Forscher auf bereits vorliegende Ergebnisse früherer Tierversuche, die zeigen, dass Glucosamin eine kohlenhydratarme Ernährung imitieren kann, die umgekehrt proportional mit der Entwicklung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen assoziiert ist.

 

Weitere Forschung wünschenswert

Die Forscher weisen darauf hin, dass ihre Studie trotz der großen Zahl von Untersuchten als Beobachtungsstudie betrachtet werden müsse und daher kein Kausalzusammenhang hergestellt werden könne. [2] Grund dafür seien die zahlreichen Einschränkungen der Studie wie zum Beispiel fehlende Informationen über die verwendeten Dosen und die Dauer der Anwendung des Supplements. Darüber hinaus seien eventuelle Nebenwirkungen der Verwendung von Glucosamin nicht untersucht worden. Eine regelmäßige Einnahme von Glucosamin könnte daher auch einfach nur auf eine allgemein gesunde Lebensweise hindeuten, obwohl die Forscher glauben, dass die gefundenen Ergebnisse auch dann noch relevant sind.


Daher ziehen die Wissenschaftler den vorsichtigen Schluss, dass eine regelmäßige Einnahme von Glucosamin nicht nur Schmerzen bei Arthrose lindern kann, sondern auch mit einem geringeren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen assoziiert sein könnte. Sie empfehlen weitere klinische Studien, um diese Vermutung weitergehend zu untersuchen.

 

Literatur

[1] Qi, Lu et al., Association of habitual glucosamine use with risk of cardiovascular disease: prospective study in UK Biobank, British Medical Journal (2019), DOI: 10.1136/bmj.l1628, http://www.bmj.com/content/365/bmj.l1628

[2] https://medicalxpress.com/news/2019-05-glucosamine-supplements-linked-cardiovascular-disease.html